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Notfall- und Krisenleitfaden für Schulen

verfasst vom Bundesministerium für Inneres

101 Sonderfall Amok (1) Amok -> als Auswirkung eines psychischen Dämmerzustandes: ist von der Definition her ein ungezieltes und planloses dynamisches Vorgehen mit gegenwärtiger akuter Gefahr für Leib und Leben gegen Personen, die zufällig in den Wirkungskreis des Täters kommen und entsteht aus einem psychischen Ausnahmezustand. Opfer werden häufig ohne jegliche Vorwarnung verletzt oder getötet. Der Täter kann aus diesem Dämmerzustand aber auch plötzlich „aufwachen“ und sich dann an nichts mehr erinnern, was gewesen ist. Amok geht immer mit einer Amnesie einher. Die Wahl der Mittel (Waffen, Fahrzeuge, etc.) ist eher zufällig. Sonderfall Amok (2) Amok -> als Auswirkung einer narzisstischen Kränkung, die in einen erweiterten Suizid übergeht: Der Täter handelt hier bewusst und geplant – dynamisch, unberechenbar und rücksichtslos – in fortgesetzter Verletzungs- und Tötungsabsicht und lässt kaum eine Kommunikation zu. Bei diesen gezielten, durchdachten, minutiös und lange geplanten Rachestraftaten sind Opfer, Tatwaffen, Vorgehen, Ablauf, eventuelle Fluchtwege etc. bis hin zum eigenen (provozierten) Tod vorbestimmt. Akute Lebensgefahr besteht für alle Personen, die in den Einwirkungsbereich des Täters gelangen. Auslöser ist eine dramatische narzisstische Kränkung. Die Straftat ist der Versuch, das dekompensierte Selbstbild wieder herzustellen. Polizeiliche Definition Amoklage Eine Amoklage im polizeitaktischen Sinne umfasst beide Definitionen (Amok und narzisstische Kränkung, die in einen erweiterten Suizid übergeht) und liegt vor, wenn ein oder mehrere Täter • mittels Waffen, Sprengmitteln, gefährlichen Werkzeugen oder sonstiger außergewöhnlicher Gewaltanwendung, • ziellos oder systematisch, • bereits eine oder mehrere Personen verletzt oder getötet, bzw. dies versucht haben, • auf weitere Personen in fortgesetzter Verletzungs- und Tötungsabsicht einwirken oder diese Absicht kundtun Der eigenen Tod ist bewusst eingeplanter Teil der Tathandlung, bzw. wird in Kauf genommen. Geisellage: • Ruhe bewahren, Deeskalationsmaßnahmen setzen • Keine Konfrontation/Provokation, keine physische Annäherung, keine unglaubwürdigen Versprechen • Vertrauensbasis schaffen und Hilfsbereitschaft anbieten • Kontrolle des Täters in der Situation akzeptieren • Sein Kontrollgefühl heben/Kontrollverlust vermeiden („Wir tun alles, was du willst“) • Unmittelbaren Einflussbereich möglichst gering halten („Lasse bitte einen Teil der Klasse gehen, ich bleibe jedenfalls hier“) • Isolierung einzelner Geiseln nach Möglichkeit verhindern • Eine Vermummung von Geiseln unbedingt argumentativ verhindern, weil eine Entpersonifizierung die Gewaltbereitschaft stark erhöht • Geiselnehmer grundsätzlich nicht zum Aufgeben überreden (stärkt nur dessen Widerstands-/Aggressionspotenzial) • Unbeteiligte sollen erkennbare Gefährdungsbereiche meiden • Polizei verständigen, nach Möglichkeit versteckte Info-Weitergabe Sonderfall „Bewaffneter Schüler in Klasse“ (3)